Was wir mit Südhessen meinen
Eine Karte, fünf Kernräume und eine bewusst gesetzte Grenze.
Das Wichtigste
- Regiomelder startet mit fünf Räumen: Darmstadt, Darmstadt-Dieburg, Bergstraße, Odenwaldkreis und Groß-Gerau.
- Der amtliche Regierungsbezirk Darmstadt ist größer: vier kreisfreie Städte und zehn Landkreise, darunter Frankfurt am Main und Wiesbaden.
- Die redaktionelle Grenze ist eine bewusste Startentscheidung, keine amtliche Definition.
Warum eine Zeitung eine Grenze braucht
Jede Redaktion, die morgens entscheidet, was sie berichtet, hat eine Vorstellung davon, wo ihr Gebiet endet. Bei Regiomelder ist diese Vorstellung schriftlich geworden: Wir nennen fünf Kernräume unser Startgebiet. Die Wissenschaftsstadt Darmstadt, den Landkreis Darmstadt-Dieburg, den Kreis Bergstraße, den Odenwaldkreis und den Kreis Groß-Gerau. Zusammen sind das rund 1,1 Millionen Menschen. Eine Zeitung, die dieser Region täglich gerecht werden will, hat mit diesen fünf Räumen einen realistischen Ausschnitt gewählt: genug Tiefe für jede Gemeinde, genug Nähe für jeden Ort.
Die Abgrenzung hat Konsequenzen. Wohnungsbau in Rüsselsheim gehört dazu, weil Rüsselsheim im Kreis Groß-Gerau liegt. Eine Entscheidung der Stadt Frankfurt dagegen nicht, obwohl Frankfurt nur wenige Kilometer entfernt ist. Es sei denn, die Auswirkung auf unser Kerngebiet ist konkret belegt: beim Hochwasser, bei den S-Bahn-Fahrplänen oder bei einer Landesentscheidung, die direkt betrifft, was vor Ort passiert. Diese Regel ist in unserem Arbeitsweise-Text festgehalten und gilt für jede Meldung.
Der amtliche Regierungsbezirk ist etwas anderes
Wer in Südhessen lebt, kennt den Begriff Südhessen meist von der Behörde: Das Regierungspräsidium Darmstadt vertritt die Landesverwaltung für den südlichen Teil Hessens. Nach dem Gesetz über die Regierungspräsidien und Regierungsbezirke des Landes Hessen gehören dazu die kreisfreien Städte Darmstadt, Frankfurt am Main, Offenbach am Main und Wiesbaden sowie zehn Landkreise: Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau, Hochtaunuskreis, Main-Kinzig-Kreis, Main-Taunus-Kreis, Odenwaldkreis, Offenbach, Rheingau-Taunus-Kreis und Wetteraukreis. Das Regierungspräsidium nennt rund vier Millionen Einwohner und 184 Städte und Gemeinden. Zwei Drittel aller Hessen leben in diesem Gebiet. Die Behörde verwendet den Begriff Südhessen übrigens selbst für den ganzen Regierungsbezirk.
Für ein Magazin, das sich Südhessen nennt, ist das eine wichtige Information: Wir übernehmen keinen amtlichen Zuschnitt, sondern treffen eine Auswahl. Das soll auf dieser Seite ausdrücklich deutlich sein. Regiomelder berichtet erst dann über Frankfurt, Wiesbaden und die angrenzenden Kreise, wenn die fünf Kernräume zuverlässig gepflegt werden können. Bis dahin gilt: klein und gründlich statt groß und oberflächlich.
Die fünf Kernräume im Überblick
Darmstadt. Kreisfreie Stadt mit zuletzt 170.073 gemeldeten Personen (31. Mai 2025). Die Stadt trägt seit August 1997 den Ehrentitel Wissenschaftsstadt, Sitz von TU Darmstadt, ESOC und dem Forschungszentrum GSI mit dem Bau der Anlage FAIR. Dazu kommt Kultur von Weltrang: die Künstlerkolonie Mathildenhöhe gehört seit 2021 zur UNESCO-Welterbeliste.
Darmstadt-Dieburg. Landkreis mit 301.529 Einwohnerinnen und Einwohnern (31. Dezember 2025), 23 Städte und Gemeinden. Der Kreis umschließt Darmstadt halbkreisförmig und reicht von Weiterstadt im Westen bis Groß-Umstadt im Osten. Die Grube Messel, seit 1995 UNESCO-Weltnaturerbe, liegt in der Gemeinde Messel.
Bergstraße. Kreis mit 273.353 Einwohnern (31. Dezember 2025) auf 719,53 Quadratkilometern. Der südlichste Kreis Hessens entstand 1938 aus den Kreisen Bensheim und Heppenheim, Heppenheim blieb Sitz. Lorsch mit dem UNESCO-Welterbe Kloster gehört zum Kreis, ebenso Lampertheim. Der Kreis ist der einzige Landkreis Deutschlands, der Mitglied in zwei Metropolregionen ist: Rhein-Main und Rhein-Neckar.
Odenwaldkreis. Der kleinste Kernraum mit 93.659 Einwohnern (30. Juni 2025), 12 Städte und Gemeinden, Sitz Erbach. Der Landkreis entstand mit der Gebietsreform von 1972. Er liegt vollständig im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, einem UNESCO Global Geopark mit 3.800 Quadratkilometern Fläche.
Groß-Gerau. Kreis mit 268.310 Personen (31. Dezember 2024, nach der Zensus-2022-Korrektur), 14 Städte und Gemeinden. Der Kreis liegt an Rhein und Main, mitten im Rhein-Main-Gebiet, und trägt die Lasten und Chancen der Verdichtung: Flughafen, Logistik, Industrie.
Warum genau diese fünf
Die Auswahl folgt keinem Verwaltungsplan, sondern dem, was Menschen im Alltag verbindet. Die fünf Räume bilden einen geschlossenen Pendelraum: Wer in Erbach wohnt, arbeitet in Darmstadt, wer in Rüsselsheim wohnt, arbeitet in Frankfurt, doch beide verbindet ein gemeinsamer Wochenmarkt für die Erreichbarkeit, die Odenwaldbahn auf der einen Seite, die Main-Neckar-Schiene auf der anderen. Wer die Nachbarschaft der Räume kennt, versteht auch, warum die Redaktion den Hochwasserschutz im Kreis Groß-Gerau genauso abdeckt wie den Wohnungsbau in Pfungstadt: Beide tragen Versorgungslasten, die sich nur im Zusammenhang erklären lassen. Ein Magazin, das den Anspruch hat, Nützliches zu liefern, muss diese Zusammenhänge sichtbar machen, und dafür braucht es ein begrenztes Gebiet, das eine Redaktion wirklich beobachten kann.
Die fünf Punkte
Die Marke des Magazins trägt diese Entscheidung sichtbar: fünf verbundene Punkte auf einer Linie, ein abstraktes Zeichen ohne Wappen und ohne Kreisgrenze. Die fünf Punkte stehen für die fünf Kernräume, sie benennen aber nichts und heißen nichts. So bleibt das Zeichen klein, neutral und erweiterbar: Wenn die Redaktion später einen sechsten Raum aufnimmt, wandert ein Punkt mit, ohne dass das Erkennungszeichen neu entworfen werden muss. Eine Karte dagegen muss wachsen, wenn die Region wächst.
Was die Karte zeigt und was sie nicht zeigt
Die Karte oben zeigt die fünf Kernräume mit stark vereinfachten Grenzen, erstellt aus OpenStreetMap-Daten und in der Legende als vereinfachte Darstellung gekennzeichnet. Sie ersetzt keine amtliche Karte, aber sie erklärt etwas, das eine Wortliste nicht erklärt: die Lage der Räume zueinander. Die Bergstraße grenzt an den Odenwald, Darmstadt liegt zwischen beiden, Groß-Gerau im Westen am Rhein. Wer diese Nachbarschaft sieht, versteht viele Themen besser, etwa die Pendlerströme im Mobilitätsdatenstück oder die Geologie im Beitrag über den Boden.
Ein zweiter Zuschnitt ist für das Verständnis wichtig: der der Metropolregionen. Die Metropolregion FrankfurtRheinMain umfasst sieben kreisfreie Städte und 18 Landkreise über drei Bundesländer, insgesamt 465 Kommunen. Zum Kerngebiet gehören dort der Odenwaldkreis und der Kreis Bergstraße. Die Metropolregion Rhein-Neckar reicht im Osten bis in den Odenwald und im Norden bis ins hessische Ried. Regierungsbezirk, Metropolregion und unsere redaktionelle Region sind also drei verschiedene Karten, die sich überlagern.
Wenn Regiomelder also schreibt, ein Thema sei „regional bedeutsam“, meint es damit nicht die Metropolregion. Es meint: Für Menschen in den fünf Kernräumen spielt es eine Rolle. Diese Präzision ist der Kern unseres Namens. Ein Melder ist keine Behörde und kein Verband, sondern eine Einrichtung, die aufmerkt und weitergibt, was sie prüfen kann. Wer wissen will, warum diese Grenze so gewählt wurde und wie wir mit Themen von außerhalb umgehen, findet die Regeln in unserem Arbeitsweise-Text und die Quellen dieser Karte weiter unten auf dieser Seite.
Originalbericht
Autorin/Autor: Redaktion Regiomelder. Die Fakten zu diesem Beitrag stehen in einer internen Rechercheakte mit Behauptungsregister (A01.md). Alle Aussagen wurden zuletzt am 27.08.2026 an den zitierten Quellen geprüft.
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